Über Bluegrass

2009 rollte der erste „Banjo Bus" mit drei Bands durchs Land.Bluegrass Impresario Rainer Zellner von der Tübinger Konzertagentur Music Contact, selbst lange aktiver Bluegrass-Musiker, hatte eine Vision:
RZ: „Ich muss ihn bekannt machen, diesen einmaligen Sound aus wilden, keltischen Geigenstücken, archaischen Balladen, schwarzem Blues und Swing sowie weißem Gospel, wie er nur so im abgelegenen Südosten in den 1940er Jahren hat entstehen können und der sich bis heute immer wieder neu erfindet. Jamboree als Begriff für ein gemeinsames Fest wird in den USA traditionell für Festivals und Radio Shows verwendet. Das passt perfekt zu meinem Konzept mit drei Bands und gemeinsamem Finale aller Musiker."
Jeden Tag eine andere Stadt, ein andere Konzerthalle, ein anderes Hotel - und das 25 Tage lang! Diese Form eines reisenden Bluegrass „Festivals" ist einmalig in Europa, wird in den USA bestaunt und anfragende Künstler stehen mittlerweile Schlange. Rainer Zellner wurde sogar kürzlich als „European Bluegrass Personality of the Year" ausgezeichnet.
RZ: „Im ersten Jahr wusste noch niemand wovon wir reden, mittlerweile hat sich eine enthusiastische Fangemeinde gebildet und viele Medien unterstützen das Thema. Ich bestehe auf höchster künstlerischer Qualität und Originalität und reise regelmäßig nach USA. Schließlich will ich jedes Jahr ein neues gut abgestimmtes Programm, sowie Entdeckungen und kommende Stars der Szene präsentieren."
Grammy-Gewinner wie die Steep Canyon Rangers, nominierte wie die Frauenband Della Mae, Geigen-Weltwunder Michael Cleveland, die neue Königin der Bluegrass-Gitarre Molly Tuttle sowie weitere IBMA Preisträger als Beste ihres Instruments, wurden auf der Bluegrass Jamboree Tour erstmalig in Europa vorgestellt.

Längst hat sich die Bluegrass Music in ihrer nun über siebzigjährigen Geschichte in viele Winkel der Erde verbreitet. Sie entstand in den 1940er Jahren in den wilden Hügeln der Appalachen im Südosten der USA aus der Begegnung der Kulturen der neuen Siedler und der Sklaven. Es waren vor allem die Einwanderer aus Irland und Schottland, die ihre Tanzmusik und überlieferten Balladen in den abgelegenen Regionen als Unterhaltung pflegten. Dort begegneten sie der Musik der afrikanischen Sklaven, mit ihren raffinierten komplexeren Rhythmen und Gesängen. Dazu kamen Spirituals und Gospels mit mehrstimmigen Gesangstechniken. Diesen „Soundtrack" der Region machte Bill Monroe mit seinen Bluegrass Boys (benannt nach dem Bluegrass State Kentucky, wo das Gras etwas blauer wächst als anderswo) zur „Bluegrass Music". Elvis Presley formte daraus „Rock'n'Roll und Rockabilly" und die Elektrifizierung der Instrumente führte zur „Country Music". Damit lagen damals schon die Wurzeln der amerikanisch geprägten heutigen Popmusik vor. Bluegrass selber, mit seinen wegweisenden Urgruppen wie Monroe, Stanley Brothers, Flatt & Scruggs und vielen anderen blieb rein akustisch und verschwand in den Blütezeiten des Rock'n'Roll beinahe von der Bildfläche. Erst die Hinwendung der studentischen Szene der 1960er Jahre mit ihren Folk Festivals und Folk Stars, aber auch der Wertschätzung einer „Kultur der einfachen Leute", führten zu neuer Begeisterung beim Publikum in Stadt und Land.

Seitdem hat sich die Musik oft gehäutet, rückbesonnen, nach vorne geblickt und immer weiter wachsende Fangemeinden gefunden. Sehr viele Konzert-Besucher sind gleichzeitig selber Musiker, die sogar ihre Instrumente zu den Events mitbringen, um sich in den Pausen nächtelangen gemeinschaftlichen Sessions hinzugeben. Die großen Festivals ziehen zigtausend Fans aus aller Welt an und präsentieren neben den Stars immer auch die neuen Entwicklungen. Und die Musiker werden immer jünger: In den USA sieht man unglaublich virtuose Kinder- und Familienbands, nicht einfach nur auf Leistung trainiert, sondern mit Feuer und Begeisterung für Mandoline, Geige, Banjo, Gitarre, Kontrabass oder Hawaiigitarre - den typischen Instrumenten der Bluegrass Musik. Auch wenn sie dabei die Zukunft im Auge haben, so zeigen die jungen Künstler dennoch großen Respekt vor den Gründungskünstlern und den klassischen Spieltechniken der einzelnen Instrumente. Die aktuelle Popmusik greift als musikalische Frischzellenkur verstärkt auf Bluegrass Elemente zurück: Banjos, Mandolinen, Fiddles, mehrstimmiger Gesang, typische Harmonien...vieles davon schon vor langer Zeit in den Bergen der Appalachen zuhause.

Das sagt die Presse:
„Urform der Popmusik”
(Feuilleton Süddeutsche Zeitung)

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